Mittendrin, statt nur dabei

Von: Frauke_K

Ritter, edle Frauen und große Herrscher.  Deutschland im 12. Jahrhundert.

Mit "Der Löwe des Kaisers" ist Cornelia Kempf ein mächtiges, spannendes, buntes und beeindruckendes Werk gelungen. In zwei Teilen entführt die Geschichte um die Zwillinge Einhard und Gunnar von Arsberg in die Zeit des glanzvollen Kaisers Friedrich I. Barbarossa und lässt den Leser in das deutsche Hochmittelalter eintauchen. Aufgeteilt ist diese Serie in zwei Bände. Hier soll der erste Band bewertet werden mit dem Titel „Der Löwe des Kaisers – Der Aufstieg“.

Der Klappentext:
Auf der Burg Wallberg in Bayern werden die Zwillinge Einhard und Gunnar von Arsberg zu angehenden Rittern des Reiches erzogen. Äußerlich mögen sich die beiden gleichen, doch während Einhard, von Vernunft getrieben, alles ernst nimmt, lebt sein Bruder Gunnar zügellos und erobert die Herzen der Frauen im Sturm. 
Die recht sorglose Zeit auf Wallberg geht jedoch eines Tages für beide Brüder zu Ende, die Geschicke nehmen ihren Lauf und Einhard und Gunnar müssen sich ihrem eigenen Schicksal stellen, als sich ihre Wege trennen.
Während Gunnar dem Kaiser Friedrich Barbarossa gegen die Lombarden folgt, wird Einhard Gefolgsmann des mächtigsten Fürsten des Reiches: Heinrich dem Löwen.

Geschichtlicher Rahmen:
Die Geschichte erstreckt sich über die Jahre 1152 bis 1168. Eine Zeit, die geprägt ist vom Schisma der Kirche, dem Aufstieg Friedrich von Schwaben zum mächtigen Kaiser, den Krieg gegen die norditalienischen Lombarden und dem Bündnis zweier Vetter: Friedrich Barbarossa und Heinrich der Löwe. Ein Kaiser und sein Herzog. Eine Zeit in der diese beiden mächtigen Fürsten Seite an Seite standen und Verbündete waren. 


Zum Inhalt:
Doch nicht die beiden Herrscher sind hier die tragenden Personen, sondern die Zwillinge Einhard und Gunnar von Arsberg. Sie werden auf der Burg Wallberg zu Rittern des Reiches herangezogen. Als Zweitgeborene steht ihnen das väterliche Erbe, die Burg Arsberg, nicht zu und sie müssen ihres eigenes Glückes Schmied werden. Obwohl sie Zwillinge sind, können sie unterschiedlicher nicht sein. Gunnar vermag es mit den Waffen umzugehen. Einhard dagegen ist ein guter Reiter. Aber das nicht genug. Einhard, der Zurückhaltender der beiden, ist mit Vernunft und Besonnenheit beglückt. Gunnar, der Unverschämtere, ist der, dem ständig der Schalk im Nacken sitzt und die Frauenherzen ihm nur so zufliegen. Als sich ihre Wege trennen zieht es Gunnar auf die Seite des Kaisers Friedrich, Einhard auf die des Herzog Heinrichs. Beides glanzvolle, mächtige Herrscher, die die Geschichte in diesen Jahren gemeinsam prägen. Neben den, geschickt in die Handlung eingewobenen historischen Begebenheiten, entbehrt die Geschichte um Einhard und Gunnar weder Reiz noch Spannung. Frauen und Feinde, Freud und Leid, Freundschaft und Feindschaft, Leben und Tod, es ist einfach alles dabei.


Mein Fazit:
Die Geschichte der Zwillinge hat mich bewegt, zum Lachen gebracht, nachdenklich gestimmt, mein Geschichtswissen aufgefrischt und mich von Seite zu Seite fliegen lassen. Die Erzählweise ist frisch, immer wieder mit Humor gespickt und so spannend, dass es mir kaum gelang, das Buch aus der Hand zu legen. Immer wieder kommen neue Wendungen und auch neue, interessante Personen dazu, die die Geschichte mittragen. Besonders gut hat mir gefallen, wie es Cornelia Kempf schaffte, die historischen Fakten so einfließen zu lassen, ohne dass es für den Leser wie ein Geschichtsbuch wirkte. Ganz im Gegenteil, es las sich immer so als wäre man einfach mittendrin, statt nur dabei. Ebenso angenehm war es für mich, nicht seitenweise Ausschmückungen von irgendwelchen grausamen Schlachten lesen zu müssen, sondern diese wohl dosiert geschildert oder im Nachgang beschrieben wurde. Ein rundum gelungenes Werk, das ich jedem ans Herz legen möchte, der viele Stunden Lesevergnügen und spannende Geschichten mag. Kopfkino pur. Ich erwarte schon heute mit Spannung den zweiten Teil.