Gegensätzlicher Lebensweg zweier Zwillingsbrüder

Von: Daniela Loisl

 

Deutsches Königreich Mitte des 12. Jahrhunderts. Die beiden Zwillinge Einhard und Gunnar von Arsberg wurden von ihrem Vater auf die Burg Wallberg gebracht, damit sie dort zu Knappen ausgebildet und infolge dessen auch durch die Schwertleite zum Ritter geschlagen werden. So ähnlich sich die beiden Brüder äußerlich auch sind, so unterschiedlich sind sie im Charakter. Gunnar liebt die Frauen und verdreht nicht nur den jungen Mägden den Kopf, sondern auch den adeligen Jungfrauen. Der Umgang mit den Waffen ist seine Stärke, das Leben nimmt er leicht und sein loses Mundwerk bringt ihn oft in Schwierigkeiten. Einhard dagegen nimmt alle seine Aufgaben sehr ernst und durch sein großes Einfühlungsvermögen und seinen guten Sitz im Sattel kann er auch die schwierigsten Pferde bändigen.

Doch die ruhigen Tage auf Burg Wallberg sind gezählt und das Leben der beiden verläuft bald in getrennten Bahnen, als Einhard sich dem Welfen Heinrich dem Löwen anschließt und Gunnar Kaiser Friedrich, genannt Barbarossa, dient.

 

Mitreißend von Beginn an

Eine „Schwarte“ von einem Buch liegt vor einem, wenn man Cornelia Kempfs neuesten Roman lesen möchte. Doch so umfangreich dieses Werk auch scheint, so schnell ist man auch im Geschehen und auch durch, denn von Beginn an wird mitreißend und spannend erzählt.

Man begleitet das ungleiche Brüderpaar von ihrer Jugend an durch die Ausbildungszeit zum Knappen bis hin zum geschlagenen Ritter und die ersten Jahre als junge Männer, die ihre Dienste dem Richtigen anbieten müssen, um auch ihre Zukunft zu sichern und eine Familie gründen zu können.

Cornelia Kempf hat es sich nicht leicht gemacht, schickt sie ihre Protagonisten doch zu zwei mächtigen Dienstgebern, die zwar durch familiäre Bande an einander gebunden sind, deren Ansichten und Meinungen jedoch heftig auseinander driften. Diese beiden sind keine geringeren als Heinrich der Löwe und Kaiser Barbarossa.

 

Tauziehen um die Macht

Die Autorin verknüpft auf äußerst geschickte und intelligente Weise historisches Geschehen mit fiktiven Ereignissen und gibt dem Leser so auf sehr smarte Weise Einblick in das politische Geschehen der damaligen Zeit ohne in irgendeiner Weise belehrend zu wirken. Dass sämtliche Hintergründe penibel recherchiert sind, wird zwar nur der geschichtskundige Leser schnell feststellen, doch der in diesem Bereich nicht so sattelfeste Leser wird so manch Wissenswerte erfahren.

Die Beweggründe Barbarossas für sein Handeln sind ebenso nachvollziehbar erzählt wie die von Heinrich dem Löwen, sodass man sich nicht nur mit den Protagonisten sondern auch mit den – wenn man von den beiden als solche sprechen mag – Nebenfiguren gut identifizieren kann. Mit dem Fortlauf der Erzählung wird nicht nur das Leben von Einhard und Gunnar spannender, sondern auch der Machtkampf zwischen dem Kaiser und seinem herzöglichen Neffen. So befindet man sich mit Gunnar und dem Kaiser des Öfteren auch in Italien, wo man endlich die Lombarden unterwerfen will, während man mit Einhard im Norden für Heinrich gegen die Slawen angeht.

 

Jede Menge Darsteller und Charaktere

Die beiden Zwillingsbrüder sind charakterlich unterschiedlich wie Tag und Nacht, was für den Leser einen besonderen Reiz ausmacht, die Sympathien zu verteilen. Es liegt auf der Hand, dass auch beide Brüder sich verlieben und dies geschieht auf ebenso unterschiedliche Weise und macht das Leben für die beiden nicht gerade einfacher. Cornelia Kempf gelingt es aber stets die Geschehnisse wie Politik, Liebe und auch Verrat im Gleichklang zu halten, sodass es weder kitschig noch gar zu politisch wird, was ein großer Pluspunkt des Romans ist.

Da es ausgesprochen viele Figuren gibt ist das Personenverzeichnis zu Anfang des Buches äußerst hilfreich, um nicht das eine oder andere Mal den Überblick zu verlieren.

Cornelia Kempf ist mit dem ersten Band dieses Zweiteilers ein wirklich kurzweiliger und geschichtlich interessanter historischer Roman gelungen, in dem auch der feine Humor nicht zu kurz kommt. So darf man sich auf den Folgeband freuen und hoffen, dass er demselben Level entspricht.