Wer hoch steigt, kann tief fallen ...

Von: Bellis-Perennis

„Der Löwe des Kaisers – Der Fall“ von Cornelia Kempf ist der zweite Teil der fesselnden Geschichte rund um Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen.
Autorin Cornelia Kempf ermöglichte einigen Leserinnen Einblick in die Fortsetzung von „Der Löwe des Kaisers – Der Aufstieg“. Ich bin eine der Glücklichen, die eine Vorabversion des Romans lesen durfte.

Dieser Teil schließt nahtlos an den ersten Band. Es ist zu empfehlen diesen vorher zu lesen. Da die Vorgeschichte der Protagonisten zum tieferen Verständnis dieses Teils beiträgt.

Nun geht es um den Fall des Löwen (Heinrich), der sich mit seinem Vetter und Kaiser (Friedrich Barbarossa) überwirft. Die logische Konsequenz: Entmachtung und Absturz. Damit reißt Heinrich natürlich seine Getreuen mit in den Abgrund.

Doch noch ein kleiner Überblick:

Während sich Friedrich um „Deutschland“ (= Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation) kümmert, hat Heinrich seine Macht und seinen Reichtum weiter ausgebaut, unter anderem durch seine Hochzeit mit der Tochter des englischen Königs.

In die Biographien der beiden historischen Weggefährten ist das Schicksal der Zwillinge Einhard und Gunnar wieder gekonnt eingeflochten. Gunnar, der Gefolgsmann des Kaisers soll (wieder einmal) einen Feldzug gegen die aufmüpfigen Lombarden vorbreiten. Einhard, ehemals in den Diensten des Herzogs, hingegen ist auf Mersburg sesshaft geworden.

Doch Einhards Familienidyll ist akut bedroht als sein alter Widersacher Walther von Gerlingen mit einer Schar Bewaffneter vor Mersburg aufkreuzt.

Als es zum endgültigen Bruch zwischen Herzog und Kaiser kommt, stehen die Zwillingsbrüder einander auf dem Schlachtfeld in den unterschiedlichen Lagern gegenüber.

Spannung/Erzählstil:

Wie schon im ersten Band versteht es Cornelia Kempf auf ca. 700 Seiten die Leser mit spannenden Kampfszenen, Schilderungen des mittelalterlichen Lebens und den vielen historischen Details zu fesseln. Wir Leser erhalten Geschichtsunterricht, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Penibel recherchiert und aufregend erzählt, sind wir immer mittendrin im Geschehen. Wir leiden mit, könnten manchmal die eine oder andere Figur beuteln und können das Schmunzeln nicht vermeiden, wenn sich Gunnar ob seines losen Mundwerks wieder einmal in die Bredouille bringt.
Das eine oder andere Geheimnis aus dem ersten Teil wird gelüftet und neue, interessante Akteure betreten die Bühne wie z.B. die Söhne Einhards, Gunthar von Landshut oder auch Wernhardt, ein Charakter, der für so manche (auch unliebsame) Überraschung sorgt.

Charaktere:

Einhard und Gunnar haben ihre Flegeljahre hinter sich gelassen und wirken gereift. Die beiden haben eine schön gesponnene Entwicklung durchgemacht, die wir „live“ mitverfolgen können.
Wie schon im ersten Teil haben hier alle Charakter Ecken und Kanten, was sie authentisch macht. Auch der Kaiser verhält sich manchmal nicht ganz kaiserlich. Herrlich sind die Dispute Friedrichs mit Gunnar zu lesen.

Fazit:

Dieses Buch ist eine wirklich gelungene Fortsetzung. Gerne spreche ich eine absolute Leseempfehlung auf und gebe fünf, wohl verdiente Sterne.

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