Beeindruckende Fortsetzung

Von: mabuerele

„...Wenn Herrscher Kriege führten, litt das einfache Volk am meisten darunter, und wenn das Morden nicht reichte, das Plündern nicht genügte, kamen die Grausamkeiten...“

Wir schreiben das Jahr 1174. In Regensburg findet ein Gelage statt. Anwesend ist alles, was Rang und Namen hat. Dazu gehört Graf Ulrich von Hohenberg mit seiner Gemahlin Luzia, der einstigen Geliebten von Gunnar sowie deren Sohn Gunthar. Wieder gibt es eine Auseinandersetzung zwischen Gunnar von Arnberg und Philipp von Naumburg. Gunnar kontert geschickt. Doch der Kaiser mag keine Streitigkeiten unter seinen Rittern. Er schickt Gunnar als Spion nach Alessandria in die Lombardei.

Währenddessen hat Einhard von Mersburg, Gunnars Zwillingsbruder, ganz andere Probleme. Walter von Gerlingen erscheint vor Mersburg und fordert, dass Einhard sich ihm unterstellt, um sich dafür zu verantworten, dass er mit Agnes, Walters Frau, die Treue gebrochen hat. Einhard weigert sich, denn von seinem Verhältnis weiß nur Herzog Heinrich, und der hat das geschickt unter den Teppich gekehrt.

Die Autorin hat einen fesselnden historischen Roman geschrieben, der die Handlung des ersten Teils ab 1174 fortsetzt.

Inhaltlich geht es um die Zerrüttung des Verhältnisses zwischen Kaiser Friedrich und Herzog Heinrich von Sachsen. Da Gunnar an der Seite des Kaisers steht und Einhard für den Herzog kämpft, werde ich als Leser abwechselnd mit jeder Seite der Geschichte konfrontiert und lerne so die Ansichten beider Parteien kennen.

Der Schriftstil des Buches ist ausgefeilt. Er passt sich gekonnt den Gegebenheiten an. Gut gefallen hat mir, dass die Autorin zwar auch die Grausamkeiten der Zeit erwähnt, deren exakte Beschreibung auf das Nötigste beschränkt. Sehr viel mehr Wert legt sie dagegen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und die daraus folgenden Entscheidungen. So mussten sich mit dem Sturz des Herzogs seine Ritter entscheiden, ob sie ihm die Treue bewahren wollten oder sich in die Hände des Kaisers begeben. Einhard steht fest zum Herzog. Andere sahen an seiner Seite die Zukunft der Nachkommen düster und entscheiden sich anders. Dass dies nicht leichtfertig und auch nicht ohne Gefahr war, wird anhand seines Ritters, der mit den Zwillingen befreundet ist, ausführlich thematisiert.

Das Eingangszitat stammt von Einhard. Er trifft mit seinen Rittern eine Gruppe Frauen und Kinder, deren Dörfer von den Kämpfern des Klerus dem Erdboden gleichgemacht wurden. .Hier wird deutlich, dass Einhard über viel Empathie verfügt und nicht an Not und Leid vorübergeht. Das zeigt auch, dass die Autorin ihre Protagonisten vor allem durch ihre Taten ausreichend charakterisiert. Die Überheblichkeit eines Philipp von Naumburg, der Gerechtigkeitssinn eines Ulrich von Hohenberg sind ebenso Beispiele dafür wie die innere Stärke von Herzogin Mathilde. Ihr auftreten vor dem Kaiser gehört zu den sprachlichen Köstlichkeiten des Buches.

Gunnar verbrennt sich gern den Mund. Selbst vor dem Kaiser zeigt er kaum Hemmungen. Das er selbst im Kerker seinen sehr trockenen Humor behalten hat, beweist das folgende Zitat:

„...Es muss heute ein besonderer Tag sein, da ihr es sonst nur auf meinen Rücken abgesehen habt...“

Die Dialoge gehören zu den Höhepunkten der Geschichte, sei es der Schlagabtausch zwischen Gunnar und Philipp, die einfühlsamen und aufmunternden Gespräche zwischen Gunnar und seinem Neffen Bernhard oder die sachliche Unterhaltung zwischen Gunnar und Ulrich.

Zu den positiven Protagonisten des Buches gehört für mich der Erzbischof Wichmann. Er erweist auch den Unterlegenen seine Achtung und durchschaut diejenigen, die nur auf Macht aus sind, charakterlich allerdings ungeeignet zum Herrschen sind.

Ein ausführliches Personenverzeichnis und ein kurzes Nachwort ergänzen das Buch.

Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Einerseits ermöglicht der Roman einen Blick auf das große Ganze der Geschichte, andererseits sind dabei viele kleine Erzählungen und Lebensschicksale eingebettet und verwoben, deren genaue Erwähnung den Rahmen der Rezension sprengen würde. Auf jeder Seite ist spürbar, dass eine ausführliche und exakte Recherche Grundlage für das Buch war.

Den Abschluss meiner Rezension möge ein Zitat bilden, das Gunnar seine Neffen sagt:

„...Das Leben als Ritter ist bei Weitem nicht immer so ruhmreich, wie du es dir ausmalst...“

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